|
Lieber Besucher!
Diese Seite ist der Anfang einer
neuen Philosophie.
Es ist fast schon zu natürlich und,
obwohl immer wieder bewusst gemacht, stets unbewusst geblieben:
Das kreative Potential des Menschen
in Situationen, in denen es in unserer westlichen Kultur keine Bedeutung
oder Funktion mehr hat. Ein evolutionäres Überbleibsel also.
Zum Beispiel beim Telefonieren. Man
hat einen Stift in der Hand, redet, hört zu, spielt damit, und dann zeichnet
man irgendwas auf einen Zettel, rahmt die Telefonnummer ein, malt
Buchstaben nach und so weiter. Und am Ende kommen manchmal erstaunlich
interessante Muster, Gebilde, Kritzeleien zustande. Woher kommt das?
Du sitzt im Sommer mit Freunden
oder einem Gesprächspartner im Gras, und kannst es nicht lassen, dich
irgendwie zu beschäftigen, indem du Grashalme rauszupfst, Gänseblümchen zu
einem Kranz machst, Zweige zerkleinerst.
Du bist in der Disco und sitzt mit
einem Freund, einer Freundin an der Theke und hälst ein Bier in der Hand.
Er/Sie dreht das Longdrink-Glas im Kreis, und du zupfst an dem Label der
Flasche, reißt es ab, drehst daraus Kügelchen.
Man kann statt dessen z.B. auch
eine Zigarette rauchen. Wenn man Zigaretten dreht, dann ist man motorisch
noch besser beschäftigt. Aber Fakt ist, dass wir immer etwas in der Hand
haben müssen. Ständig müssen wir mit etwas spielen, rumwerkeln, basteln.
Dieser
Bastel-Werkel-Fummel-Kritzel-Drang ist kein Zufall. Denn die die Evolution
weiß welche Lebewesen sie bevorzugt: nämlich die, die die besten
Überlebenschancen haben. Was wir heute sind, ist das Ergebnis aus
Jahrmillionen Evolution. Es muss alles irgendeinen einen Sinn haben,
was wir sind und was wir tun. Sonst hätten wir es als Menschen niemals so
weit gebracht. Dieser Drang, etwas zu "machen" - man könnte es motorische
Unruhe nennen - hat uns Menschen also aus irgend einem Grund einen
Selektionsvorteil verschafft.
Zum Beispiel könnte er bewirken,
dass wir Dingen durch Gestaltung Identität oder eine persönliche Note geben,
um eine Beziehung zu Dingen und damit Vertrauen in Dinge herzustellen - sie
wortwörtlich zu "be-greifen". Vor allem in sozialen Interaktionen neigen wir
dazu, etwas zu "machen", statt nur zu reden, ob es nun Körpersprache ist,
die Zigarette rauchen oder die Tasse Kaffee trinken
(Zigaretten-/Kaffeepause). Ich denke, dass die Grundform des Arbeitens (wie
man sie noch in nicht industrialisierten Kulturen, Eingeborenen-Stämmen usw.
finden kann)
monotone motorische Tätigkeiten sind - die man mit der Zeit wie
"automatisch" macht - die jedoch nicht allein, sondern im Kollektiv ausgeübt
werden, und zugleich gedanklichen (und emotionalen) Austausch mit einschließen. Dies würde den
oben erläuterten Drang erklären, etwas zu "Arbeiten", während man sich mit
Mitmenschen unterhält. Arbeit würde also in dieser Form eine gemeinschaftsfördernde Funktion bekommen,
die Emotionalität, Intelligenz, und Integrität noch besser fördert, als
Berufe, in denen die spezialisierung und Arbeitsteilung sehr hoch ist.
Tatsächlich sind die meisten Dinge
in unserem Alltag solche, bei denen wir unsere Gedanken im Kopf schweifen
lassen können, während wir etwas MACHEN - die Gedanken sind frei und man
fühlt sich wie in einem Schwebe-Zustand, während man "arbeitet".
Ein Zustand von tiefer Befriedigung
und Erfüllung tritt aber insbesondere auf, wenn wir uns in die Tätigkeit
vertiefen und voll auf sie konzentrieren (siehe dazu das
Flow-Konzept von
Mihaly Csikszentmihalyi). Dieser Zustand tritt bei jedem Menschen täglich
bei meist handwerklichen Tätigkeiten ein, wie Arbeit, Hausarbeit, z.B.
Kochen, Bügeln, Putzen; in der Freizeit am Auto/Motorrad Basteln, im Haus
reparieren, werkeln; Malen/Zeichnen, Musizieren, Singen, Tanzen, Reden,
Telefonieren, Chatten, Lesen, Theater, Spazieren gehen, Essen
usw. (siehe dazu auch das Buch von o.g. Autor
Flow - Das Geheimnis des Glücks)
Mit dieser Homepage möchte ich
zeigen, dass es aber viele Erscheinungen menschlichen Handelns in unserem
Alltag gibt, die ein unüberschaubares kreatives Potential aufzeigen, welches
meist als "unnütz", weil unpragmatisch gesehen wird. Alltägliche Dinge, die
entweder nie beachtet, geschätzt, (wie Telefon-Kritzeleien) oder eher
verboten und unterdrückt (z.B. Klosprüche, Graffiti) eine überrationale
zivilisierte Welt auch bereichern, verschönern können, oder auch "zerstören"
("Sachbeschädigung") - trotzdem wollen diese Erscheinungen gehört und
gesehen werden.
All diese "abweichenden"
Ausdrucksformen des Menschen, die ich suche, wollen vielleicht unnötige
Mauern brechen oder unbeachtete Lücken füllen. Manche sind in unsere Kultur
integriert (Kunst), manche nur zum Teil (als Subkultur), verboten oder ohne
Funktion.
Wenn die Energie des Menschen
irgendwo unterdrückt oder unterfordert wird, sucht sich Nischen, um sich zu
verwirklichen. Diese menschliche Energie ist für mich in dem Sinne, wie ich
dargestellt habe, nur kreativ - ob im Produktiven oder Destruktiven,
bleibt Ansichtssache.
Pflumi Navigation - Seite wählen: 1 2
3 4 5
6
Ihr könnt mir schreiben an dominik.t@web.de
oder mich bei yogi81.jetzt.de
besuchen.
Würde mich sehr freuen!
Dominik
Links:
Zeichnungsgenerator - Hannes Kater:
http://www.zeichnungsgenerator.de/pagetext/99glas.php3
Text einer Rede von Michael Glasmeier - gehalten anläßlich der Preisverleihung des Peter Voigt Reisestipendiums 1999 für NYC
Texte über das Zeichnen am Telefon:
http://www.zeichnungsgenerator.de/pagetext/zeichnen/zeichnen_texte.php3#telefon
"So reiste 1980 eine Ausstellung zum Thema Telefonzeichnungen durch Deutschland mit Werken von Franz Eggenschwiler, Alfonso Hüppi und Dieter Roth. Dazu erschien ein vierbändiger
Katalog, der u.a. mit einem Essay von Michael Schwarz versehen war."
siehe auch
http://www.zeichnungsgenerator.de
bzw. http://www.hanneskater.de/
Franz Eggenschwiler:
http://www.g26.ch/art_eggenschwiler.html
"Bei den Telefonzeichnungen Eggenschwilers
handelt es sich nicht um die Sichtbarmachung einer gedanklichen Schöpfung,
sondern um das zwar grundsätzlich gewollte, aber im Einzelnen absichtslose
Entstehenlassen von Zeichen und Formen durch den Künstler.
"Viele Menschen machen Telefonzeichnungen
oder Zeichnungen während Sitzungen, zur Entspannung, zur Ablenkung oder um
sich zu amüsieren. Innerhalb der Arbeit dieser Menschen sind solche
Zeichnungen Nebenprodukte, an denen der Freundeskreis seinen Spass und der
Psychiater sein Interesse findet."
"Das ... Interesse dem äusserlich
Niedrigen und Verachteten gegenüber und dasselbe Bestreben, die geistigen
Kräfte darin sichtbar werden zu lassen und im Kunstwerk zu erhöhen,
kennzeichnet Eggenschwilers Achtung vor der unscheinbaren
Telefonzeichnung."
Seismo-Art (Seismografisches Zeichnen):
http://heinrich-kurz-goldenstein.at/index.htm
"Ich begann, wie es viele von uns kennen, beim Telefonieren oder beim
Hören von Vorträgen mit einem beiläufigen Kritzeln. Dabei merkte ich, je
öfter ich dies tat, dass es sich hier nicht um ein bedeutungsloses
Gekritzel handelt, sondern es sich bei der Betrachtung solcher Grundmuster
um mehr handelt müsste. Mein Gekritzel war schließlich begleitet worden
von einer Assoziationskette. Es formten sich dabei oft andeutungsweise
Gestalten, die mir bis dahin fremd, in ihren Inhalten und Symbolen waren.
Es war, als lese ich meine eigene Literatur meiner Lebensgeschichte.
Verstand aber die Symbolgeschichte noch nicht erkannte aber das Produktive
in der Arbeit."
Geometric-Doodles-Art Galery:
http://www.geometric-doodles-art.de
"... die geometrischen Grundflächen wie Quadrate, Dreiecke, Kreise und
einfache Figuren sind uns von der Natur gegeben."
|